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HandelsZeitung

 



 


 

Elogistics: Flinker Online-Händler

Das Jungunternehmen aus Brügg ist Internethändler und Logistikunternehmen in einem - damit die online bestellte Ware auch dort ankommt, wo sie hin soll.



 


 



 


 

Rüdi Steiner

Wer bei Coop im Internet ein Schnitzel bestellt, der braucht vor allem etwas: Viel Geduld, sehr viel sogar. Lieferfristen von mehreren Tagen sind dem schnellen Online-Business jedoch alles andere als förderlich. Und wenn statt den bestellten Brathähnchen dann auch noch Suppenhühner eintreffen, wie jüngst die Stiftung "Warentest" bemängelt hat, dann ist es ums Geschäft rasch ganz geschehen.
Genau hier setzt Elogistics ein. Dass der Logistik im Online-Geschäft matchentscheidende Bedeutung zukommt, hat Chris Weber bereits vor längerem erkannt und in der Folge das eigene Unternehmen gegründet. Elgostics ist jedoch mehr als eine traditionelle Speditionsfirma. Das Unternehmen in Brügg bei Biel ist zugleich Internethändler. Es handelt aber nicht mit eigener, sondern mit fremder Ware. "Wir betreiben die elektronischen Shops im Auftrag von Firmen, die das Internetgeschäft nicht selber führen wollen", erklärt der 32-jährige Aargauer das Geschäftsmodell. Im Visier hat er dabei Schweizer KMU und Niederlassungen von ausländischen Firmen. Webers Dienstleistungen: Er betreibt dabei den Shop, nimmt Bestellungen entgegen, verpackt und versendet die Ware und regelt auch das Inkasso.



 


 

Abteilung übernommen

Begonnen hat das Unterfangen im Jahr 2000. Weber, damals bei der Uhrenfabrik Wenger für die Finanzen und die Logistik zuständig, verspürte Lust auf eine Klimaveränderung. Im August einigte er sich mit seinem Arbeitgeber darauf, die Lager- und Speditionsabteilung zu übernehmen und einen Online-Shop zu errichten und zu führen. Elogistics wurde so zum einzigen autorisierten Online-Händler von Wenger. Der Uhrenverkäufer hat diesen Schritt nicht zuletzt deswegen gemacht, um dem Wildwuchs im Internet Einhalt zu gebieten. Der Kunde sollte für Garantieleistungen auch im Cyberspace einen Ansprechpartner haben.
Knapp 100000 Fr. hat der jüngste Spross einer ehemaligen Stumpenfabrikantenfamilie bisher in den Aufbau seiner Firma investiert. Elogistics verfügt heute über eine Lagerfläche von 300 Quadratmetern. Nebst Wenger betreut Weber mit der RHW Marketing einen weiteren Uhrenverkäufer. Seit kurzem zu seinen Kunden gehört auch ein Scooter-Anbieter.
Geht es nach Weber, ist das erst bloss der Auftakt. Auf nächstes Jahr will er die Fläche und die Auslastung verdoppeln. Das ist ehrgeizig. In der ehemaligen Fabrikhalle hat es immer noch ordentlich Platz. Dies könnte sich aber rasch ändern, meint der Jungunternehmer. Mit zwei weiteren, international tätigen führt er zurzeit Verhandlungen. "Es sind bekannte Marken", sagt er. Der Brand des potenziellen Kunden sei wichtig. Entscheidend ist aber die Frage, ob sich das Gut übers Internet überhaupt verkaufen lässt. Das grösste Potenzial ortet der Logistikexperte heute bei Luxusgütern, Mode oder Düften. Gelingt es Weber, einen der beiden Kunden zu verpflichten, dann könne sein Unternehmen der nächsten Zukunft zuversichtlich entgegen sehen.
Elogistics wirtschaftet im Internet auf eigene Rechnung. Will heissen: Das gesamte Risiko liegt beim Jungunternehmer. Es verdient einzig an der Marge. Wenn wie nach dem Anschlage auf das World Trade Center in New York tagelang keine Bestellungen eingehen, dann verdient er nichts. Zu schaffen machen Weber zudem Betrugsversuche. Auf eine echte Bestellung von 100 Fr kommt eine gefälschte im Wert von 150 Fr. Würde nicht jede Order sorgfältig geprüft, Elogistics wäre wohl längst pleite. Weber und sein Angestellter Antonio Gomariz lieferen die Uhren im Auftrag von Wenger an ausländische Importeure. Dieses traditionelle Logistikgeschäft betrachtet er als zweites Standbein, das er keineswegs aufgeben will. Ganz im Gegenteil. Doch die potenzielle Kundschaft zögert noch. "Das Outsourcing der IT oder der Buchhaltung ist heute auch bei KMU selbstverständlich", erklärt Weber. Nicht aber Lager und Spedition. Die Zeit werde wohl für ihn spielen. Denn mit dem Outsourcing lasse sich auch hier sparen, weiss er. "Wenn Firmen sich nach neuen Lagerräumen umsehen, dann begreifen sie das in der Regel schnell."



 


 

 


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